Die Nacht von Borgholzhausen

    Nun feierte sie ihre vierzigste Wiederholung, die "Nacht von Borgholzhausen". Mit ihr wurde eine heute noch blühende Lebensform des Laufsportes begonnen. Es war damals im Sommer 1976 noch eine völlig andere Zeit im Sportgeschehen, als in Borgholzhausen die Idee geboren wurde, zu abendlicher Stunde durch die von Laternen- und Fackeln beleuchtete Innenstadt zu laufen. Die Sport-Fachverbände wirkten - verunsichert und skeptisch - eher als Bremser denn als Förderer aller zeitgerechten Laufsportentwicklungen.

    Die Presse sah das anders und schrieb gleich nach der ersten Veranstaltung: "Eine neue Laufidee ist gefunden worden, eine Idee, die ihren Weg machen wird." Die Siegerliste dieses Laufklassikers, die Spitzenleistungen und Breitensport verbindet, liest sich wie das "Who ist Who" der Laufszene: 1979, als die Nacht noch in den Kinderschuhen steckte, siegte Wolf-Dieter Poschmann, einer der damals besten deutschen Mittelstreckenläufer, bevor er Sportchef beim ZDF wurde. Herbert Steffny lief über die 10-Meilen-Distanz 1985 einen deutschen Rekord in 46:33 Minuten. Die Streckenbestzeit auf dem Rundkurs von 3,2 km hält immer noch der Brite Steve Kenyon, der im Jahre 1981 46:11 Min. erzielte. Viele Jahre waren die Kenianer das Maß aller Läufer bei der Nacht. Es wurde mehr als 35 Jahren über "krumme Distanzen", englischen Meilen gelaufen. Die Liste könnte endlos fortgesetzt werden.

    Seit zwei Jahren hat sich die "Nacht" zur Breitensportveranstaltung entwickelt.
    Neben Bambinilauf, Schoolrunning, Firmen- und Einsteigerlauf bietet die Veranstaltung auch einen Hauptlauf über 10 km. Gern gesehene Teilnehmer sind seit 2004 die Schiedsrichter aus ganz NRW, die hier regelmäßig ihre Kondition unter Beweis stellen.

    In einer Großstadt würde die Laufveranstaltung, wahrscheinlich bei den vielen anderen angebotenen Sportereignissen eine Nebenrolle spielen. In dem kleinen Bergstädtchen am Teutoburger Wald ist die "Nacht" Karneval, Stadtfest und Sporthöhepunkt in einem. An der Strecke bauen die örtlichen Gastronomen ihre Stände auf, Shows am Rande gehören dazu, Musikbands spielen und sogar Trommler säumen die Strecke, um die Läufer anzufeuern. Einmalig auch die Fanmeilen an der Strecke, jedes Jahr lassen sich die Anwohner etwas einfallen, um die Läufer anzufeuern.

    Zu mitternächtlicher Stunde beschließt ein stimmungsvolles Feuerwerk die Großveranstaltung.
    Der LC Solbad Ravensberg ist ein Leichtathletik- und Triathlon-Club, der auch bundesweit Bekanntheit erlangte, stellte dieser mittlerweile 700 Mitglieder starke Verein doch mit Steffen Dittmann den deutschen Marathonmeister 1996 und mit Dirk Strothmann den Nationalen Meister im Duathlon 1997, sowie 2007 mit Ilona Pfeiffer die Deutsche Marathon-Meisterin. Auch im Nachwuchs- und Breitensportbereich sind die Ravensberger eine feste Größe.
    Neben der "Nacht" ist der LC Solbad Ravensberg Veranstalter von darüber hinaus interessanten und beliebten Lauf-Events: Jedes Jahr im März der "Luisenturmlauf", ein Volkslauf über die Halbmarathonstrecke und 12,5 km. im Dezember der Weihnachts-Crosslauf über 10 und 16 km.
    Daneben werden Bahnsportfeste im Ravensberger Stadion mit Jugend- und Schülerwettbewerben ausgetragen. Nicht zu vergessen der Böckstiegellauf in Werther (Westf.) und der Triathlon in Versmold.
    Im Jahre 2010 feierte der Verein sein 40-jähriges Bestehen.

    Von Sabine Lünstroth, Geschäftsstelle des LC Solbad Ravensberg