Stolpersteinverlegung

    Auch Menschen aus Borgholzhausen wurden Opfer des NS-Terrors. Für 12 von ihnen wurde am 31. Januar 2024 ein Stolperstein verlegt

    Zwischen 1933 und 1945 diskriminierte, verfolgte, vertrieb und ermordete das nationalsozialistische Terrorregime unzählige Menschen. An das Schicksal der Millionen Leidtragenden erinnern heutzutage in vielen Städten europaweit sogenannte „Stolpersteine“.

    Unter den Opfern des NS-Terrors befanden sich auch Menschen aus Borgholzhausen. Bereits im Herbst 2016 wurden vor Ort elf Stolpersteine verlegt. Die Biografien der Opfer aufgedeckt hatte eine Gruppe Ehrenamtlicher um Renate Gieskemeyer und Eva-Maria Eggert, den Initiatorinnen der die Stolperstein-Initiative in Borgholzhausen. Neben Lehrkräften und Schülern der PAB-Gesamtschule zählen darüber hinaus einige Vertreter der Ratsfraktionen sowie weitere Interessierte und Angehörige von Opfern zur Gruppe. Unterstützt werden die Ehrenamtlichen bei ihren Recherchen von Stadtarchivar Sebastian Schröder.

    Nach der Verlegung von elf Stolpersteinen im Jahr 2016 setzte die Stolperstein-Initiative in Borgholzhausen ihre Forschungen fort, um an das Schicksal weiterer Opfer zu erinnern. In den Blick gerieten dabei vor allem Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen oder Behinderungen. Während der NS-Zeit wurden sie unter teils äußerst prekären Verhältnissen in psychiatrischen Anstalten untergebracht. Viele von ihnen sollten die Anstalten nie wieder verlassen und starben aufgrund von Vernachlässigung, mangelnder medizinischer Versorgung oder bewusst verübter Gewalt. Fünf Einwohnerinnen und Einwohner aus Borgholzhausen wurden sogar in Tötungs- und Vernichtungslager überführt und dort ermordet – deshalb spricht man von „Krankenmorden“.

    Insgesamt konnte die Stolperstein-Gruppe neben den bereits bekannten elf Personen zwölf weitere Namen von Menschen ausfindig machen, die Opfer nationalsozialistischer Verbrechen geworden sind. Für diese Bewohnerinnen und Bewohner aus Borgholzhausen soll am 31. Januar 2024 jeweils ein Stolperstein verlegt werden. Der Künstler und Initiator des „Stolperstein“-Projekts Gunter Demnig persönlich wird die Verlegung vornehmen. Parallel zur Verlegung findet eine Gedenkveranstaltung statt, bei der die Namen aller Opfer verlesen werden und kurz deren Biografie vorgestellt wird. Diese öffentliche Veranstaltung, zu der die Stolperstein-Gruppe herzlich alle Interessierten einlädt, beginnt um 10.30 Uhr auf dem Platz vor der Evangelischen Kirche (Kirchstraße). Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Dirk Speckmann und einer kurzen thematischen Einführung von Eva-Maria Eggert werden dort fünf Stolpersteine verlegt. Beteiligt sind auch Schülerinnen und Schüler der PAB-Gesamtschule sowie die Stiftung Burg Ravensberg. Anschließend erfolgt eine weitere Verlegung in der Schulstraße, ehe in der Mittelstraße drei Stolpersteine für die jüdische Familie Bauer ins Pflaster eingelassen werden sollen. Zum Abschluss wird ungefähr gegen 12.30 Uhr auf der Burg Ravensberg ein Stolperstein für die Tochter des früheren Försters verlegt, dessen Familie in der dortigen Försterwohnung lebte. Seine geistig behinderte Tochter wurde 1943 in der Tötungsanstalt Weilmünster ums Leben gebracht.


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