Mit der Unterzeichnung der Beitrittsurkunde schließt sich die Stadt einem internationalen Städtebund an, dem inzwischen über 80 Kommunen angehören. Das Riga-Komitee erinnert an mehr als 25.000 jüdische Bürgerinnen und Bürger, die zwischen 1941 und 1944 in das Rigaer Ghetto deportiert und dort ermordet wurden, und setzt sich für eine aktive Erinnerungskultur an die Opfer des Nationalsozialismus ein. Eine zentrale Gedenkstätte befindet sich im Wald von Bikernieki bei Riga.
Der Festakt fand im voll besetzten Ratssaal statt und wurde von Stadtarchivar Dr. Gregor Weihermüller sowie Eva-Maria Eggert von der Borgholzhausener Stolpersteingruppe begleitet. Anlass für den Beitritt sind vier frühere Borgholzhausener Mitbürger, die während der nationalsozialistischen Verfolgung nach Riga deportiert wurden. Die intensive Auseinandersetzung mit der lokalen NS-Geschichte sowie mit den individuellen Schicksalen der jüdischen Bevölkerung ist seit vielen Jahren ein Schwerpunkt der Arbeit der Stolpersteingruppe.

In den vergangenen zwölf Jahren hat die Stolpersteingruppe durch umfangreiche ehrenamtliche Recherchen zahlreiche bislang unbekannte Details dokumentiert. Insgesamt wurden 22 Stolpersteine an fünf Adressen in der Borgholzhausener Innenstadt verlegt. Zudem wurde ein jährliches Gedenken an die Pogromnacht auf dem jüdischen Friedhof etabliert. Für dieses langjährige Engagement zur Erforschung jüdischer Einzelschicksale und zur Etablierung einer lokalen Erinnerungskultur wurde die Stolpersteingruppe um Eva-Maria Eggert im Rahmen des Festaktes mit der höchsten Auszeichnung der Stadt Borgholzhausen, geehrt.

Regierungspräsidentin Bölling hatte für die Veranstaltung bewusst den 27. Januar, den offiziellen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, vorgeschlagen. In ihrer Rede betonte sie, dass der Beitritt zum Riga-Komitee ein klares Bekenntnis zur historischen Wahrheit und zur Verantwortung für die eigene Geschichte darstelle. Er verpflichte dazu, die Erinnerung an die deportierten und ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger wachzuhalten und über Generationen hinweg weiterzugeben. Im Anschluss an die Urkundenunterzeichnung trug sich die Regierungspräsidentin anlässlich ihres ersten offiziellen Besuchs in das Goldene Buch der Stadt Borgholzhausen ein.

In die Veranstaltung eingebunden war auch die PAB als „Schule ohne Rassismus“. Pädagoge Tobias Trier hielt eine Rede, zudem berichteten Schülerinnen und Schüler über ihre Gedenkstättenfahrten nach Buchenwald sowie über ein Zeitzeugeninterview mit der 101-jährigen Margarethe Schneider, das sich mit dem Schicksal ihrer damaligen jüdischen Mitschülerin Gisela Weinberg befasste.
Begleitend zum Beitritt wurde eine Ausstellung mit 20 Plakaten zur lokalen NS-Geschichte erarbeitet. Diese ist zunächst für drei Wochen im Rathaus und anschließend in der Gesamtschule zu sehen. Musikalische Beiträge, ein Rundgang durch die Ausstellung sowie ein Imbiss rundeten den Festakt ab. Vertreter der Lokalpresse waren vor Ort und berichteten über die Veranstaltung.




