Rathaus der Stadt Borgholzhausen

Zentralkläranlage "Im Recke"

Das Abwasser aus den, an Kanalnetz angeschlossenen Grundstücken in Borgholzhausen-Innenstadt und den Ortsteilen Barnhausen, Berghausen, Westbarthausen, Holtfeld, Kleekamp und Casum wird in der im Jahr 2000 in Betrieb gegangenen Zentralkläranlage "Im Recke" behandelt, bevor das gereinigte Abwasser in die Neue Hessel eingeleitet wird. Was genau in der Kläranlage passiert erfahren Sie in dem nachfolgenden Artikel

Auf dem Bild ist die Zentralkläranlage in Borgholzhausen zu sehen.


Die Kläranlage der Stadt Borgholzhausen

Abwasserreinigung ist aktiver Umweltschutz, der bereits im eigenen Haushalt beginnt. Unsere kommunale Kläranlage im Ortsteil Casum stellt sicher, dass das täglich in Haushalt und Gewerbe verbrauchte Wasser gereinigt und sicher in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt wird. Damit schützen wir ein wichtiges lokales Gut: das Gewässer „Neue Hessel“.

1. Basisdaten und Entsorgungsauftrag

Derzeit reinigt unsere Anlage das Abwasser von rund 12.000 Einwohnerwerten (EW = Einwohner + Gewerbe), ist jedoch für 21.500 EW ausgelegt. In Abhängigkeit der jährlichen Niederschläge reinigt unsere Kläranlage zwischen 800.000 – 1.100.000 m³ Abwasser. Bereits im Tagesverlauf können die Mengen witterungsbedingt stark schwanken.

  • Bei Trockenwetter:    Q= ~ 290 m³/ h (rd. 80 L/ s)
  • Bei Regenwetter:       Q= ~ 450 m³/ h (rd. 125 L/ s)


Infrastruktur: Pumpwerke und Regenwassermanagement

Da das Abwasser im Stadtgebiet nicht durch ein natürliches Gefälle zur Anlage fließen kann, wird es durch 9 über das Stadtgebiet verteilte Pumpwerke zur Zentralkläranlage gefördert. Die vom Abwasserbetrieb zu überwachenden Druckleitungen haben eine Gesamtlänge von ca. 18 km. Zahlreiche Sonderbauwerke wie Regenrückhaltebecken (RRB) und moderne Retentionsfilterbecken entlasten das Kanalsystem, die Bauwerke sowie die lokalen Gewässer bei Starkregenereignissen.

2. Mechanische Vorreinigung

In der mechanischen Reinigungsstufe werden grobe Stoffe physikalisch entfernt, um die nachfolgenden technischen Komponenten vor Verschleiß zu schützen.

  • Der Stufenrechen: Er hält Papier, Hygieneartikel und Textilien zurück. Jährlich fallen hierbei rund 3 Tonnen Rechengut an.
  • Sand- und Fettfang mit Sandwäsche: Durch eine Reduzierung der Fließgeschwindigkeit setzen sich Sand und Steine am Boden ab, während Fette an die Oberfläche aufsteigen. Pro Jahr werden so etwa 10 Tonnen Sand entnommen, gewaschen und einer Verwertung zugeführt.


3. Biologischer Reinigungsprozess

Nach der mechanischen Vorreinigung folgt die biologische Stufe, in der die natürliche Selbstreinigung von Gewässern technisch optimiert abgebildet wird.

Nährstoffabbau (C, N, P)

In zwei Belebungsbecken mit einem Volumen von jeweils 3.800 m³ bauen Mikroorganismen die gelösten organischen Schad- und Nährstoffe ab:

  • Kohlenstoffabbau (C): Abbau organischer Verschmutzungen.
  • Stickstoffelimination (N): Gezielte Umwandlung von Stickstoffverbindungen in Luftstickstoff.
  • Phosphorelimination (P): Zur Vermeidung von vermehrtem Algenwuchs in der „Neuen Hessel“ (Eutrophierung) wird Phosphat durch Zugabe von Natrium-Aluminat gebunden und als Feststoff mit dem Klärschlamm entfernt.


Belüftung und Prozesssteuerung

Für den Abbauprozess benötigen die Mikroorganismen Sauerstoff, der mittels Drehkolbengebläse als feinperlige Luft eingeblasen wird. Eine intelligente Steuerung passt den Energieeinsatz dabei präzise an den aktuellen Bedarf der Mikroorganismen an.

Trennung im Nachklärbecken

In den integrierten Nachklärbecken (V = 1.100 m³ pro Becken) setzt sich der schwere Belebtschlamm (Bakterienmasse) am Boden ab. Während der überschüssige Schlamm entnommen wird, fließt das gereinigte Wasser an der Oberfläche ab.

4. Elimination von Spurenstoffen

Unsere Anlage verfügt über eine hochmoderne, sog. Vierte Reinigungsstufe, um auch Mikroschadstoffe aus dem Abwasser zu entfernen. Inbetriebnahme: Januar 2024.

drei Druckkessel

Wesentliche Bestandteile der Anlage sind hier:

  • Scheiben-Tuchfilter: Dieser filtert feinste Schwebstoffe sowie Mikroplastik heraus, um die nachgeschaltete Filtration zu schützen.
  • Aktivkohle-Filtration (GAK): In drei Druckkesseln mit granulierter Aktivkohle werden gelöste Schadstoffe adsorbiert.


Ergebnisse: Stand Januar 2026 wird eine Abbaurate von rund 95 % bei Indikatorsubstanzen wie Schmerzmitteln (Diclofenac), Antibiotika, Herz-Kreislauf-Medikamenten und Süßstoffen erreicht.

Aktivkohle


5. Klärschlammbehandlung und Ressourcenrückgewinnung

Der im Reinigungsprozess anfallende Klärschlamm wird als wichtiger Wertstoffträger weiterverwendet. Die Stadt Borgholzhausen ist hierzu einer Kooperation beigetreten, der KSV- OWL (Klärschlammverwertung Ostwestfalen-Lippe).

  • Thermische Verwertung: Durch die Verbrennung werden Schadstoffe zerstört und Energie gewonnen.
  • Phosphor-Rückgewinnung: Durch diese Kooperation wird die Anlage ab dem Jahr 2029 die gesetzlichen Vorgaben zur Rückgewinnung von Phosphor erfüllen.


So wird der Reinigungskreislauf geschlossen und aus Abwasser ein lebenswichtiger Rohstoff zurückgewonnen.

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