Ausstellung Joosephine-Henriette Becker – FACE THE FEAR

Stell dich der Angst: Es ist eine „künstlerische Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Angst in unterschiedicher Ausprägung und der Überwindung von Handlungsunfähigkeit“.

Joosephine-Henriette Becker schreibt zu der Ausstellung folgendes:

Für Fans der Geschichten von Edgar Allan Poe oder Franz Kafka ist in der aktuellen Ausstellung im Kulturverein Borgholzhausen mit Sicherheit etwas von Interesse zu sehen. Ähnlich wie in den Kurzgeschichten beider Autoren ist auch hier das Thema der Angst und Ohnmacht in verschiedenen Facetten im Zentrum der Kunstwerke. Die Osnabrücker Künstlerin Joosephine-Henriette Becker setzt sich in ihrer Arbeitsreihe FACE THE FEAR mit einer aktuelleren Sammlung an Kurzgeschichten zum Thema Angst auseinander:

Der Podcast “The Magnus Archives” besteht aus vorgelesenen und auf Tonband aufgenommenen Archivberichten des fiktiven Magnus Instituts. Das Londoner Institut beschäftigt sich mit der Überprüfung übernatürlicher Sichtungen und unerklärlicher Erlebnisse. Gleichzeitig entwickelt sich ohrenscheinlich nebenbei eine folgenübergreifende Rahmenhandlung, die den Erzähler in die Kurzgeschichten verwickelt. Kurzum: Inhaltlich und formal äußerst spannend. In den insgesamt 200 Folgen der 5 Staffeln wird das Thema Angst in aller Ausführlichkeit beleuchtet.

So beschäftigt sich auch Joosephine-Henriette Becker ausführlichst mit den Nuancen und Verknüpfungen des Themas Angst in ihren Bildern. Jeder der 200 Folgen widmet sie ein Kunstwerk, in dem die inhaltlichen Kernaspekte herausgestellt werden. Im Gegensatz zur Abfolge der Ereignisse in der Geschichte, überträgt sie in ihrem Medium das Ganze in eine Gleichzeitigkeit. So ergibt sich eine neue Dimension, die der Geschichte gegenübersteht und mit ihr in den Dialog tritt.

Warum aber in Zeiten von KI-Bildgeneration dieser langwierige und altertümliche Prozess 200 Federzeichnungen per Hand auf großem Format anzufertigen? Abgesehen von den ethischen, datenschutztechnischen und urheberrechtlichen Kritikpunkten an der Nutzung von KI wäre diese Arbeitsweise zusätzlich denkbar unpassend für die Auseinandersetzung mit einer menschlichen Emotion. Sich den eigenen Ängsten zu stellen ist ein zeit- und aufwandsintensiver Prozess, bei dem man sicherlich mit menschlicher Hilfe gut beraten sein kann. Die zentralen Entscheidungen und vor allem Handlungen können einem aber nicht abgenommen werden. Man muss sich der Angst schlicht und ergreifend stellen. So versucht die Künstlerin in diesem performativen Akt in jedes Kunstwerk auch diesen Prozess des mühsamen, schrittweisen Überwindens mit einfließen zu lassen.